Winegrowers in Germany are rebranding their image and decided to scrap the Ruwer-Saar off their previous Mosel-Saar-Ruwer name.
From now on, it’s just Mosel.
The rivers didn’t dry up, but the regions are too small to be considered seperately is their argument.
Fine by me, their wines are delicious, no matter what!
Drink up! Article in German after the jump!

Weinbau

Mosel ohne Saar und Ruwer

Von Volker Mehnert

Der Männergesangsverein Riesling Harmonists von der Mosel hat gut schmettern. Ihren Nachbarn von Saar und Ruwer ist eher nach Heulen zumute.

20. August 2009 Seit wenigen Tagen sind die beiden Flüsse Saar und Ruwer verschwunden. Es ist nicht der Klimawandel im deutschen Südwesten, der sie austrocknen lässt. Und es ist auch keine kartographische Willkür im Spiel, denn sie werden nicht von der Landkarte ausradiert, sondern von den Etiketten der Weine aus dem traditionellen Weinbaugebiet Mosel-Saar-Ruwer. Das soll es nach einer Übergangsfrist von zwei Jahren nun nicht mehr geben. Alle Weine aus der Region tragen fortan die Bezeichnung “Mosel”, auch wenn die Rebstöcke an den Hängen von Saar und Ruwer wachsen. Begründet wird dieser Wandel mit Marketing-Argumenten, die vor allem von Weinhändlern und großen Kellereien vorgebracht wurden und schließlich den Gesetzgeber überzeugten. Angeblich sei die Mosel als alleinstehende Region besser zu vermarkten, vor allem im Ausland. Kunden, so heißt es, könnten glauben, dass in einer Flasche Mosel-Saar-Ruwer ein Gemisch aus allen drei Regionen enthalten sei. Ob auf eine solche Idee in fast hundert Jahren Weinbauregion wirklich ein ernst zu nehmender Weintrinker je gekommen ist?

Zwar sind die Rebflächen an den beiden Moselzuflüssen klein, und vor allem die Ruwer ist ein Weinbauzwerg. Aber ist das ein Grund, sie einfach zu ignorieren? Immerhin wird an Saar und Ruwer zusammen mehr Wein erzeugt als in der eigenständigen Weinbauregion Mittelrhein. Zudem unterscheiden sich die Rieslinge von Saar und Ruwer im Geschmack von ihren Pendants an den Moselschleifen. Bedingt durch den harten, dunklen Schieferboden und das kühlere Mikroklima sind sie in der Regel mineralischer und kräftiger.

Vinologische Bocksprünge

In einer Zeit, in der Weinkenner immer stärkeren Wert auf kleinräumige Lagenbezeichnungen legen und der Begriff Terroir so häufig verwendet wird wie nie, erscheint die pauschalisierte Herkunftsbezeichnung anachronistisch. Doch die deutsche Weingesetzgebung ist schon immer für vinologische Bocksprünge bekannt gewesen. Eine naheliegende, von einigen Weinbauern vorgeschlagene Lösung wurde gar nicht erst berücksichtigt: die herkömmliche Bezeichnung Mosel-Saar-Ruwer beizubehalten und die exakte Herkunft auf dem Etikett farbig oder durch Fettdruck zu betonen. Dies wäre für den Konsumenten sicher die aufschlussreichste Lösung gewesen.

Dort, wo Saar oder Ruwer drin ist, wird also in Zukunft Mosel draufstehen. Vielleicht werden bald die Regionen Mittelrhein und Rheingau geopfert und unter die Bezeichnung “Rhein” subsumiert. Und was wäre, wenn man Médoc, St. Emilion und Pauillac streichen und künftig nur noch Bordeaux verkaufen würde? Dann gäbe es eine Revolution in Frankreich.

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